Ich muss vor Gericht

Zu allem Stress den ich derzeit habe, stehen jetzt zwei Gerichtstermine an. Und das ausgerechnet dann, während mein Kleiner noch auf der Intensivstation liegt. Der erste der beiden Termine war mir schon seit einer Woche bekannt, die Ladung zum zweiten kam gestern per Post.

In beiden Fällen bin ich als Zeuge geladen. Den einen Fall hatte ich bereits gepostet. Die Verhandlung findet am kommenden Mittwoch statt. Über die Ladung zu dem anderen Fall war ich etwas überrascht, ist der Unfall doch vor geraumer Zeit, im Januar 2007, passiert.
Damals ist ein PKW ungebremst in eine Kreuzung eingefahren, an der er die Vorfahrt hätte gewähren müssen. Dabei wurde er von einem Van gestreift, der von einer jungen Mutter gefahren wurde. In dem Fahrzeug waren zu allem Übel auch noch Kinder. Er kam nach dem Zusammenstoß ins Schleudern, so daß er mich auf der Gegenfahrbahn fast gestreift hätte. Endstation für den Van war auf einem Felsblock im Vorgarten eines Anwohners.

Ich blieb sofort stehen und sagte meiner damals schwangeren Frau, sie solle im Auto bleiben, da ich nicht wollte, daß sie sich noch mehr aufregte. Von weitem hörte ich schon Kinder aus dem Van schreien und bekam direkt Gänsehaut. “Hoffentlich sind sie angeschnallt” ging es mir durch den Kopf. Der Van war auf den Fels komplett aufgefahren, er schaukelte hin und her und Rauch kam aus dem Fahrerfenster. Wie ich später bemerkte, wurde der Rauch durch den gezündeten Airbag verursacht.

Die Mutter war schon dabei das erste Kind aus dem Auto zu bergen. Ihr Gesicht war blutüberströmt. So ein Airbag ist wohl nicht ganz ohne. In der Zwischenzeit versuchte ich den zweiten Jungen aus seinem Kindersitz herauszunehmen, was nicht ganz einfach war. Der Junge stand unter Schock schrie unentwegt und wehrte sich auch, da er nicht wusste was und wie ihm geschah. Die beiden Kinder waren Gottlob unverletzt, was wohl den Kindersitzen, in denen sie angeschnallt waren, zu verdanken war.

Bemerkenswert bei diesem Unfall war das Verhalten des Unfallverursachers. Er kümmerte sich lediglich um seinen PKW, für die verunfallte Familie zeigte er kein Interesse. Das machte mich betroffen. Wie kann jemand der einen PKW von der Strasse schiesst, in dem zwei kleine Kinder saßen, dann so teilnahmslos dastehen und sich nur den Kopf über seinen beschissenen PKW zerbrechen?

Ich an seiner Stelle hätte mich um die junge Familie gekümmert, das wäre das Mindeste gewesen, was er in dem Moment hätte machen müssen. Zumal er obendrauf völlig unversehrt war, nicht den kleinsten Kratzer hatte er abbekommen.

Kategorie: Intern  Tags: , ,
6 Kommentare
  1. Pingback: Andreas Majeres
  2. Pingback: Andreas Majeres
  3. Andreas says:

    Sowas ist schon ein starkes Stück und lässt auf Null soziale Kompetenz rückschliessen.
    Verstehen kann ich solche Menschen nicht, eine Entschuldigung ist das Mindeste was man einem Opfer entgegenbringen kann. Wenn man nicht den Arsch in der Hose hat um sich persönlich zu entschuldigen, so kann man auch 3-4 Zeilen per Post schicken.
    Aber Leute von Heute kalt, herzlos, kein Anstand….

  4. Ecki says:

    Das kenne ich aber auch. Nicht das ich zum Gericht musste, nein, mir ist mal jemand in die Fahrertür gekracht. Und der Verursacher,hatte nix besseres zu tun sich um sein Auto zu kümmern. Mir ging es beschissen, und ich kam ins Krankenhaus. Er hatte sich auch nie wieder gemeldet.

    Eckis zuletzt veröffentlichter Artikel..Unverhofft

  5. Markus says:

    Das ist leider in der heutigen Gesellschaft so, jeder ist sich selbst der Nächste. Es gibt zwar einige weinige Ausnahmen, aber normalerweise kümmert sich keiner mehr um den Nachbarn. Traurig, aber leider wahr…

  6. Andreas says:

    @Markus: Das sagst Du richtig! Die Entwicklung ist erschreckend, jeder für sich, die Ellbogen nach aussen und nach mir die Sinflut.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>